9.Dezember

Grabmal von Musa Abdal Sultan

Das Grabmal von Musa Abdal Sultan -
einem Religionsgelehrten aus dem Orden der Bektasch Derwische im Dorf Tekke im Landkreis Elmali

Touristen aus den christlichgen Ländern "verlaufen" sich nur selten zu den Sehenswürdigkeiten und besonderen Orten
der islamischen Kultur auf dem Lande in der Türkei.
In Istanbul strömen sie zu Tausenden durch die bekannten Moscheen
und auch Konya kriegt auf dem Weg nach Kappadokien noch etwas von der Touristenwoge ab.

Für die Aleviten ist das Grabmal des Musa Abdal Sultan eine heilige Stätte,
jedes Jahr pilgern Anfang Juni zahlreiche Gläubige an diesen Ort.

Wir kamen bei schönstem Frühlingswetter mitte April nach Tekke
und waren fast die einzigen Besucher.
Das Gebäude war verschlossen und die Familie, die vor uns da war ging, ohne es von innen besichtigt zu haben.

Grabmal von Musa Abdal Sultan

Während ich auf dem angrenzenden Friedhof nach Blümchen und besonders Orchideen Ausschau hielt,
hatte Joe über der Eingangstür eine Telefonnummer entdeckt.
"Ruf da mal an, vielleicht kommt einer mit dem Schlüssel!"

Und tatsächlich, Mustafa, der Wächter des Türbe (Grabmals)
kam mit seiner Frau nach knapp 10 Minuten und schloss für uns auf.
Ich zog mein Kopftuch aus der Handtasche,
dann ließen wir unsere Schuhe am Eingang stehen
und konnten auf Socken die Räumlichkeiten besichtigen.
Ich muss sagen, der kurze Anruf hat sich gelohnt.
Zu sehen gab es übergroße Sarkophage von Abdal Musa und seiner Familie
sowie von einem Derwisch im Vorraum,
dazu verschiedene Waffen und andere Gegenstände,
die Abdal Musa gehört haben sollen, sowie Bilder und Spruchtafeln.

Grabmal von Musa Abdal Sultan  

Grabmal von Musa Abdal Sultan  

Sarkophag von Musa Abdal Sultan

Sarkophag von Musa Abdal Sultan

Sarkophage der Mutter und Schwester von Musa Abdal Sultan

Alles war sauber, gepflegt und anscheinend erst vor kurzer Zeit renoviert worden.
Der Teppichboden wirkte ganz neu.

Bei dessen Anblick musste ich wieder an die kleinen Dorfmoscheen in den Bergen denken,
deren Böden früher von etlichen Schichten kleiner und größerer Gebetsteppichen bedeckt waren,
bis dann die Teppichhändler aus Antalya und sonstwoher kamen und den Gemeinden
die "alten Lumpen" für wenig Geld und neuen Teppichboden abschwatzten.

So ganz schien man nicht auf die guten Absichten der Pilger und Besucher zu vertrauen:
Die Video-Überwachungsanlage war samt Monitor in einem extra Käfig eingeschlossen! 

Eintrittsgeld wurde nicht verlangt,
aber die Spendenbox war nicht zu übersehen und wurde von uns auch gefüttert.