www.kemer-tr.info: Der aktuelle online Reiseführer für Kemer und Umgebung -Der online Reiseführer für Kemer und Umgebung mit wertvollen Informationen für Reisende, illustriert durch zahlreiche Bilder. Hier können Sie Ihren türkischen Urlaubsort KEMER schon vor der Abreise etwas kennen lernen. Hier erfahren Sie alles über Kemer, Beldibi, Göynük, Kiris, Kuzdere, Camyuva, Tekirova, Cirali, Olympos und die beeindruckende Bergwelt des westlichen Taurusgebirges.  

Demre - die Stadt des historischen Nikolaus

 

Als kleine Einführung in das Thema möchte ich die folgende Geschichte voranstellen:

Neulich besuchten wir ein Restaurant in Kemer. Am Nachbartisch saß eine deutsche Familie und machte Pläne für einen Ausflug. Der Dialog ging etwa:

 

Papa: Wir könnten ja mal nach Demre fahren.

Sohn: (ca. 10 Jahre): Was gibt's denn da?

Papa: Da hat früher der Nikolaus gelebt.

Sohn: Quatsch, Papa, ich glaub doch nicht mehr an den Weihnachtsmann!

Mama: Nicht der Weihnachtsmann, der Nikolaus!

Sohn: Was ist denn da für ein Unterschied...?

Mama: Na, der Nikolaus, der kommt doch immer am 6. Dezember, das ist der mit den Schuhen!

Sohn: Blödsinn, das seid ihr doch, die da was in die Schuhe tun! ...

 

Ich weiß nicht, wie diese Planung ausging und ob die Familie dann hin gefahren ist, aber Demre (100 km von Kemer entfernt) hat tatsächlich etwas mit dem Nikolaus zu tun. Die Stadt und ihre Umgebung hat aber noch mehr zu bieten: Die Ruinen des antiken Myra mit dem Theater, den beeindruckenden Felsengräbern und seit 2010 auch einer neu ausgegrabenen christlichen Kapelle aus dem 11. oder 12. Jh. nach Chr., sowie den Hafen Andriake, den die meisten Touristen nur als Startpunkt ihrer Bootsfahrt sehen.

 

Hier zuerst in Kürze etwas zum Nikolaus. Wer ausführlichere Hintergründe über die Geschichte des Heiligen erfahren möchte, dem seien die folgenden Webseiten empfohlen: Nikolaus von Myra und Wikipedia-Nikolaus:

 

Danach ist der legendäre Nikolaus eine Verschmelzung aus zwei Personen, dem Bischof Nikolaus von Myra, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Lykien gelebt hat und und Nikolaus, Abt von Sion, der Bischof in Pinora war und am 10. Dez. 564 in Lykien starb. Aus diesen beiden historischen Personen wurde im 6. Jahrhundert die fiktive Gestalt des wundertätigen und übermächtigen Bischofs von Myra, um den sich zahlreiche Geschichten und Mythen ranken. So die Legende von den drei Jungfrauen, deren Vater sie an ein Bordell verkaufen wollte, da er sich keine Mitgift für die drei Töchter leisten konnte. Nikolaus soll davon gehört haben und ihnen drei Beutel Gold (drei Bälle, die sich später in Gold verwandelten…) durch das Fenster geworfen haben. So hatten sie nun eine angemessene Mitgift und konnten ehrbar verheiratet werden. Aus diesen und ähnlichen Legenden entwickelte sich die Rolle des Heiligen Nikolaus als Geschenkebringer für die Kinder. Gefeiert wurde (und wird) das Fest des Heiligen Nikolaus an seinem angeblichen Todestag, dem 6. Dezember, das ist auch der Namenstag für alle die Nikolaus heißen. 

 

Vermutlich im 5. Jh. wurde über dem Grab von Bischof Nikolaus in Myra eine erste Kirche erbaut, die sich bald zur Pilgerstätte entwickelte. Pilgerreisen kann man als heilsamen Tourismus des Mittelalters bezeichnen. Man erhoffte sich Heilung von allerlei Leiden, Hilfe bei Kinderlosigkeit oder Vergebung der Sünden. Die Wundertätigkeit der Heiligen übertrug sich auch auf Reliquien, z.B. die Knochen derselben, ein Splitter vom Kreuz und was man sich noch so alles an frühem christlichen Merchandising denken konnte. Kirchen und Klöster wetteiferten um die wundersamsten Reliquien. So kam es denn, dass im Jahre 1087 Kaufleute und/oder Piraten (was machte damals wohl den Unterschied aus ??) der italienischen Stadt Bari die sterblichen Überreste des Nikolaus aus Myra stahlen und in ihre Heimatstadt brachten. Bari hatte nun eine neue Pilgerattraktion. Die einst populäre Kirche in Myra versank in den folgenden Jahrhunderten im Schwemmsand und wurde unbedeutend.

 

Traditionell wurde der Nikolaus in seiner Bischofstracht mit langem Mantel und der spitz zulaufenden Bischofsmütze dargestellt. Doch wie wurde aus dem Bischof Nikolaus der fröhlich- dicke Weihnachtsmann mit Rauschebart und dem rot-weißem Outfit? Durch die  Reformation im 16. Jh. (Stichwort Luther) wurde in den protestantischen deutschen Ländern die Vielzahl der Heiligen abgeschafft. Sie passten nicht mehr in das aufgeklärte Weltbild. Die Geschenke für die Kinder brachte nun das Christkind am 24. oder 25. Dezember. Das konnte sich aber nicht in allen Ländern durchsetzen, so blieb es in den Niederlanden beim Sinta Klaas, der weiterhin am 6. Dezember Geschenke bringt. Der schaffte dann auch den Sprung nach Amerika, wo er als Santa Claus in der Nacht zum 25. Dezember die Geschenke durch den Schornstein in am Kamin aufgehängte Strümpfe wirft. Santa Claus trug einen roten (Bischofs-) Mantel, aber sein heute weltweit bekanntes Aussehen erhielt er 1939 vom Coca-Cola-Werbedesigner, Haddon Sundblom. Mit dieser Figur wird für Coca-Cola und inzwischen auch für eine Vielzahl, nicht unmittelbar damit verbundener Sachen (Bausparkasse, Bahnfahrkarten, etc.), Werbung gemacht. So ist es nur konsequent, wenn die Stadtväter der türkischen Kleinstadt Demre, in deren Stadtzentrum die Grabeskirche des Bischofs Nikolaus von Myra liegt, eine von russischen Schulkindern gestifteten Bronzestatue des Bischofs (für unseren Geschmack gut an historische Vorbilder angepasst) wieder vom Sockel nehmen ließen und statt derer eine Plastik-Statue des Coca-Cola Santa Claus aufgestellt haben. Sie machten damit jahrelang Reklame für die Stadt des Weihnachtsmannes und erklärten, dass die Welt den Weihnachtsmann schließlich so kennen würde. Ein neuer Kultur- und Tourismusminister machte dem Treiben schließlich ein Ende und ließ einen türkischen Künstler eine neue Statue für den Sockel erstellen. Diese Statue erinnert uns eher an einen russischen Bauern als an einen mediterranen kirchlichen Würdenträger, aber vielleicht trifft es den Geschmack der größten Besuchergruppe.

 

Der legendäre Bischof Nikolaus galt schon immer als sehr tolerant, wie sonst lässt sich seine Popularität über 1500 Jahre und in allen christlichen Ländern erklären? Denn er wird nicht nur in der katholischen sondern auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Da kratzt es ihn sicherlich wenig, ob er sich nun von Wolke Nummer sieben herab, Glöckchen-schwingend Reklame für Coca-Cola machend, als Bischof auf einer Weltkugel balancierend oder als russischer Bauer in Kniebundhosen sieht.

 

Die Nikolausstatue auf dem Vorplatz der Kirche in Demre im Wandel der Zeiten

 

vor 2005 2005-2008 seit 2009

 

Der russische Zar Nikolaus I ließ ab 1853 die Kirche in Myra / Demre wieder aufbauen, wobei die ursprüngliche Kuppel durch ein Kreuzgratgewölbe ersetzt wurde. Heute finden in Demre Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten durch die Universität Ankara in Zusammenarbeit mit der Museumsverwaltung in Antalya statt. Dabei wurden unter anderem mehrere alte Wandgemälde freigelegt. Unsere Bilder der Kirche (rechte Seite) sind von März 2005. Am 6. Dez. 2006 sind wir ganz kurz entschlossen nach Demre gefahren. Unser Dank gilt dem Landtagsabgeordneten Ramazan KARATAS, der es uns ermöglichte, an einem Teil der offiziellen Feierlichkeiten zum Nikolaustag teilzunehmen. Hier unser Bericht mit Bildern

 

Wenige Tage vor unserem Besuch Anfang Dezember 2006 hatte man bei Bauarbeiten im Flussbett von Demre sechs vollständige Sarkophage gefunden. Ein Bagger hatte einen Sargdeckel zur Seite geschoben und einem Mitarbeiter war aufgefallen, dass der Stein antik sein könnte. Auf einem Sarkophag befindet sich auch eine recht deutlich lesbare Inschrift, unsere Stammleser mit Griechischkenntnissen sind dafür gefragt.

 

 

Inzwischen sind Jahre vergangen, die Sarkophage wurden geöffnet und der Inhalt von Fachleuten ausgewertet. Es fanden sich wohl Knochen aber kein Gold, nach Ansicht der Einheimischen waren die Särge also "leer". Archäologen dürften das etwas anders sehen. Zwei der Sarkophage stehen jetzt im Eingangsbereich zur Nekropole in Myra.

 

Am 6. Dezember 2008 haben wir die Kirche in Demre wieder einmal besucht, hier gibt es die neuen Bilder in einer Diashow. Inzwischen heißt die Kirche offiziell "Noel Baba Müzesi" (Weihnachtsmann-Museum). Trotzdem durfte mit Ausnahmegenehmigung unter besonderer Beobachtung vieler Herren in dunklen Anzügen am Nikolaustag früh morgens ein orthodoxer Gottesdienst stattfinden. In den Jahren seit 2005 gab es durch die andauernden Arbeiten zur Restauration der Kirche einige Veränderungen. Zahlreiche Fresken wurden neu freigelegt und aufgearbeitet, so dass sie jetzt fast "wie neu" aussehen. Der angebliche Sarkophag des Hl. Nikolaus wurde durch eine Glasplatte geschützt, da zu viele Besucher dort brennende Kerzen aufgestellt haben, die durch Wachs und Ruß den alten Stein beschädigten. Fachleute meinen übrigens, dass der wirklich Sarg des Nikolaus eher eine schlichte Steinkiste in einer Nische hinter dem Altarraum wäre, aber touristisch bietet der verzierte Sarg mit dem Halbrelief einer liegenden Person natürlich viel mehr.

 

Die örtlichen Reiseveranstalter in Kemer bieten Tagestouren zusammen mit Besichtigung der lykischen Felsengräber und des Theaters, einer Bootsfahrt zur versunkenen Stadt Kekova und Mittagessen je nach Saison ab 20 Euro an. Der Eintritt in die Nikolauskirche (10 TL) ist dann extra zu bezahlen. Diesen Tagesausflug können wir sehr empfehlen, denn bereits die Anfahrt über die kurvenreiche Küstenstraße bietet etliche sehenswürdige Ausblicke, allerdings hat man jetzt zwischen Kemer und Kumluca einige der berühmt-berüchtigten Shopping Center eröffnet, wo die Busse halten und die Touristen hoffentlich in unkontrollierten Kaufrausch verfallen. Diese Einkaufsstopps "sponsern" die Tagestouren und nur so können die Ausflüge bei steigenden Preisen weiterhin sehr günstig angeboten werden.

 

Wer sich lieber auf eigene Faust auf den Weg macht, muss für Mietwagen und Sprit mindestens 60-70 Euro rechnen (ca. 220 km hin und zurück). Man fährt die D-400 nach Süden über Kumluca und Finike nach Demre. In Demre sind  "Noel Baba" (die Kirche) und "Myra" (das Theater und die Felsengräber) recht gut ausgeschildert. Nach dem Besuch der Kirche kann man sich in einem der kleinen Lokantas in den umliegenden Seitenstraßen sein Mittagessen selbst zusammenstellen, einfach in die Töpfe gucken und zeigen, was man gerne essen würde. Es lohnt sich durchaus ein paar Schritte von den Touristen-Abfütterungsstellen wegzugehen.

 

Der zweite Stopp auf der Tour durch Demre ist am antiken Theater und den Felsengräbern, den sichtbaren Resten der antiken Stadt Myra. Dazu gibt es hier im Rahmen unserer Diashows zu antiken Stätten 36 Bilder zu sehen. Am Bühnenhaus des Theaters hingen früher Theatermasken, Steinköpfe mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, die sich aber doch alle irgendwie ähneln. Ich habe aus meinen Fotos der im Gelände verstreut stehenden Köpfe ein kleines Spiel nach Art des "Memory" gebastelt. Wer schafft es ohne zu Schummeln? Zum Steinköpfe-Spiel

 

Zu den neueren Ausgrabungen in Myra und dem Hafen Andriake gibt es jetzt eine Extra Seite von uns.